Viele Menschen, die zum ersten Mal von IFS (Internal Family Systems) hören,verbinden die Methode zunächst mit der Heilung des inneren Kindes. Und tatsächlich spielt die Arbeit mit verletzten inneren Anteilen in IFS eine wichtige Rolle.
Doch IFS ist weit mehr als das.
IFS ist ein tiefgreifendes psychotherapeutisches Modell, das dabei helfen kann, eine erstaunliche Bandbreite psychischer Belastungen zu verstehen und nachhaltig zu verändern – von Ängsten und Panikattacken über Selbstwertprobleme, Zwänge und Beziehungskonflikte bis hin zu Traumafolgen,
Depressionen oder wiederkehrenden emotionalen Mustern.
Die Grundidee von IFS ist dabei überraschend einfach:
Wir bestehen nicht nur aus einer einzigen Persönlichkeit, sondern aus vielen unterschiedlichen inneren Anteilen.
Und genau diese innere Vielfalt erklärt häufig, warum wir manchmal Dingetun, denken oder fühlen, die wir eigentlich gar nicht möchten.
Kennen Sie solche Situationen?
Vielleicht kennen Sie Gedanken wie:
"Eigentlich weiß ich, dass ich gut genug bin. Aber ein Teil von mir fühlt sich trotzdem ständig wertlos."
Oder:
"Ich möchte meinem Partner vertrauen, aber etwas in mir zieht sich immer wieder zurück."
Oder:
"Ich weiß, dass meine Angst irrational ist, abersie übernimmt trotzdem die Kontrolle."
Aus Sicht von IFS sind diese Widersprüche völlig normal.
Denn häufig sprechen hier verschiedene innere Anteile gleichzeitig.
Ein Teil möchte Nähe.
Ein anderer Teil möchte Sicherheit.
Ein weiterer Teil möchte Verletzungen vermeiden.
Und manchmal kämpfen diese Anteile miteinander, ohne dass wir uns dessenbewusst sind.
Das innere Team in uns
IFS betrachtet die Psyche wie eine innere Familie.
Jeder Anteil verfolgt dabei eine positive Absicht, auch wenn sein Verhalten manchmal problematisch erscheint.
So kann beispielsweise:
ein kontrollierender Anteil versuchen, Fehler zu verhindern,
- ein ängstlicher Anteil vor Gefahr schützen wollen,
- ein perfektionistischer Anteil Anerkennung sichern wollen,
- ein wütender Anteil Grenzen schützen wollen,
- ein verletzter Anteil auf alte Wunden aufmerksam machen.
- Viele Menschen erleben zunächst Überraschung, wenn sie erkennen:
Die Probleme sind oft nicht die Anteile selbst.
Das eigentliche Problem besteht häufig darin, dass einzelne Anteile extreme Rollen übernommen haben und dadurch das innere Gleichgewicht verloren gegangen
ist.
Warum die Heilung des inneren Kindes nur ein Teil von IFS ist
Das innere Kind ist aus IFS-Sicht lediglich eine spezielle Form eines verletzten Anteils.
Natürlich können frühe Kindheitserfahrungen eine wichtige Rolle spielen.
Doch IFS beschäftigt sich ebenso mit:
- Ängsten und Panikattacken
- Selbstwertproblemen
- Scham und Schuldgefühlen
- Zwängen
- Beziehungsproblemen
- Bindungsängsten
- emotionaler Abhängigkeit
- inneren Konflikten
- Trauma
- Perfektionismus
- Selbstsabotage
- chronischer Überforderung
- Burnout
- Trauerprozessen
Die Arbeit geht dabei weit über die Frage hinaus:
"Was ist meinem inneren Kind passiert?"
Vielmehr fragen wir:
"Welche inneren Anteile sind heute aktiv?"
"Wovor versuchen sie mich zu schützen?"
"Und was brauchen sie, um ihre extreme Rolle loslassen zu können?"
Ein kleines Beispiel: Angst und Panik
Nehmen wir an, ein Mensch leidet unter Panikattacken.
In vielen Fällen findet sich dabei nicht einfach "die Angst", sondern mehrere Anteile:
Ein Anteil beobachtet ständig mögliche Gefahren.
Ein anderer Anteil sorgt sich darum, die Kontrolle zu verlieren.
Vielleicht gibt es einen verletzten Anteil, der sich tief im Inneren hilflos und ausgeliefert fühlt.
Von außen erscheint dies als Panik.
Im IFS-Prozess lernen wir jedoch, diese Anteile kennenzulernen und ihre Geschichte zu verstehen.
Oft zeigt sich dabei, dass sie nicht gegen uns arbeiten.
Sie versuchen vielmehr, uns auf ihre Weise zu schützen.
Sobald sie sich verstanden und entlastet fühlen, verlieren viele Symptome ihre Notwendigkeit.
Ein weiteres Beispiel: Schwierigkeiten in Beziehungen
Manche Menschen erleben immer wieder ähnliche Beziehungsmuster.
Vielleicht entsteht große Verlustangst.
Oder Nähe fühlt sich gleichzeitig schön und bedrohlich an.
IFS hilft dabei zu erkennen:
Welcher Anteil sehnt sich nach Liebe?
Welcher Anteil hat Angst vor Verletzung?
Welcher Anteil zieht sich deshalb zurück?
Plötzlich wird sichtbar, warum man sich manchmal innerlich hin- und hergerissen fühlt.
Aus dem scheinbaren Chaos entsteht Verständnis.
Und aus Verständnis entsteht Veränderung.
Was passiert in einer IFS-Therapie?
Eine typische IFS-Sitzung besteht nicht darin, Probleme zu analysieren oder wegzudiskutieren.
Stattdessen entsteht ein achtsamer innerer Dialog.
Wir richten die Aufmerksamkeit auf die Anteile, die sich zeigen möchten.
Dabei lernen Sie:
- Ihre inneren Anteile zu erkennen
- deren Gefühle und Bedürfnisse zu verstehen
- ihre Schutzstrategien wertzuschätzen
- verletzte Anteile zu unterstützen
- innere Konflikte aufzulösen
- mehr Selbstvertrauen und innere Stabilität zu entwickeln
Viele Menschen erleben dabei etwas sehr Überraschendes:
Je weniger sie gegen ihre Symptome kämpfen, desto leichter beginnen sich Veränderungen zu zeigen.
Das Self – die innere Quelle von Ruhe und Klarheit
Ein zentraler Gedanke von IFS ist, dass hinter allen Anteilen ein gesunderinnerer Kern existiert.
Richard Schwartz, der Begründer von IFS, nennt diesen Kern das Self.
Das Self ist kein weiterer Anteil.
Es ist jener Zustand in uns, aus dem heraus wir Ruhe, Klarheit, Mitgefühl,Gelassenheit und Vertrauen erleben können.
Vielleicht kennen Sie Momente, in denen Sie trotz einer schwierigenSituation gespürt haben:
"Irgendetwas in mir weiß, dass alles gut werden kann."
Genau dieser innere Ort ist in IFS von besonderer Bedeutung.
Je stärker wir mit diesem Selbst verbunden sind, desto leichter können sich belastete Anteile entspannen und heilen.
Heilung bedeutet innere Zusammenarbeit
Aus Sicht von IFS müssen wir keine Teile von uns bekämpfen.
Nicht die Angst.
Nicht die Wut.
Nicht die Scham.
Nicht einmal die Anteile, die uns scheinbar im Weg stehen.
Stattdessen lernen wir, sie zu verstehen.
Denn hinter fast jedem belastenden Muster steht letztlich ein Anteil, derirgendwann versucht hat, uns zu helfen.
Wenn diese inneren Anteile Vertrauen entwickeln und ihre Lasten loslassen können, entsteht häufig etwas, das viele Menschen lange vermisst haben:
Mehr innere Ruhe.
Mehr Freiheit.
Mehr Selbstvertrauen.
Mehr Lebendigkeit.
Sind Sie bereit, sichselbst auf einer tieferen Ebene kennenzulernen?
Vielleicht spüren Sie bereits, dass hinter Ihren aktuellen Herausforderungen mehr steckt als reine Gedanken oder Verhaltensmuster.
Vielleicht gibt es Anteile in Ihnen, die schon lange gehört, verstanden und unterstützt werden möchten.
Gerne begleiten wir Sie auf diesem Weg.
In einem geschützten therapeutischen Rahmen können wir gemeinsam erforschen, welche inneren Anteile Ihr Erleben prägen, welche Belastungen sie tragen und welche Schritte möglich sind, damit wieder mehr Leichtigkeit, Klarheit und innere Freiheit in Ihr Leben kommen.
Wenn Sie den Wunsch haben, sich selbst besser zu verstehen und nachhaltige Veränderung zu erleben, freuen ich mich darauf, Sie kennenzulernen.
Ganz herzlich
Ralph & Rosemarie Göttmann
Heilpraktiker (Psychotherapie)